Düngen - wie praktizieren es die Großbetriebe und wie machen wir es?

Auch beim Thema Düngen der Vergleich: Kartoffel-Großbetrieb und traditioneller Anbau in der Rhön.

Düngen in großen Kartoffelbetrieben

Generell gilt: Man kann seine Ernte auf gute Lagereigenschaften und Geschmack ausrichten oder auf Maximalertrag pro Hektar. Beides zusammen ist nicht möglich. Daher müssen wir zuerst über den Haupt-Nährstoff der Pflanzen sprechen, den Stickstoff. Dieser wird oft hochkonzentriert ausgebracht und wirkt wahre Wunder. Pflanzen schießen nur so aus dem Boden und auch die Kartoffel-Knolle reagiert mit enormen Wachstum. Für einen Kartoffelbauer, der im großen Stil an die Pommes-Industrie liefert oder an eine Stärke-Fabrik ein probates Mittel, um seinen Ernte-Ertrag zu maximieren.

Abgerechnet wird - wie immer - pro Kilogramm oder pro Tonne, so dass jeder Mehrertrag gerne mitgenommen wird. Leider landet noch zu viel des guten Stickstoffs im Grundwasser, so dass es immer wieder berechtigte Kritik gibt an der Ertrag-Maximierung durch den Stickstoff-Einsatz in der Landwirtschaft.

Düngen bei unseren Kartoffeln

Leider hat der gute Stickstoff auch ein paar negative Auswirkungen: So wirkt er sich negativ auf die Haltbarkeit im Lager aus (Kartoffeln werden bei uns auch im Juli noch verkauft – also 9 Monate nach der Ernte). Und wer will schon eine 400 Gramm Kartoffel im Topf haben? Daher setzen wir den Stickstoff-Dünger sehr dosiert ein. Festmist-Dünger ist dabei ein wichtiger Bestandteil in der gesamten Fruchtfolge und zusätzlich eine Gabe von Kalkstickstoff kurz nach dem Pflanzen der Kartoffeln. Das war’s. Weitere Dünge-Maßnahmen während des Wachstums erfolgen nicht mehr.

 Als weiterer Dünger kommen Kali und Magnesium zum Einsatz, was vor allen die Lagereigenschaften verbessert. Diese Art der Düngung ist z.B. auch im Bio-Anbau zugelassen und zielt rein auf eine Verbesserung der Qualität ab.

 Der dritte Teil der Düngung richtet sich nach den Miro-Nährstoffen, die eine Pflanze zum gesunden und gleichmäßigen Wachstum braucht. Dazu wird jährlich eine Blattanalyse durchgeführt: Eine Probe der Kartoffel-Blätter wird in ein Labor geschickt und man bekommt eine Auswertung zurück, wie die Versorgung der Pflanze z.B. mit Mangan, Bor oder Magnesium ist. Treten keine Mängel auf ist alles wunderbar. Treten Mangel-Erscheinungen auf, kann man mit Bittersalzen (übrigens auch im Bio-Anbau zugelassen) der Pflanze helfen. Auch hier gilt der Grundsatz: Düngung nur wenn notwendig, denn was die Pflanze nicht aufnimmt landet im Grundwasser.

An dieser Stelle noch der Hinweis dass auch diese Form des Düngers werden mit der Pflanzenschutz-Spritze ausgebracht wird – es ist also nicht immer Chemie im Tank. Die Pflanze nimmt diese Mikro-Nährstoffe also nicht über den Boden sondern direkt über die Blätter auf.

 Natürlich kommen wir mit dieser verhaltenen Dünge-Taktik nicht auf Spitzen-Erträge pro Hektar. Man schafft es hier in der Rhön in normalen Jahren ca. 35 Tonnen (unsortierte Ware) pro Hektar zu ernten. In den professionellen Kartoffelanbaugebieten in Niedersachen und Bayern lacht man sich über solche Erträge eher kaputt, dort kommt man ohne Probleme auf das doppelte. Selbst Erträge bis 100 Tonnen pro Hektar werden mittlerweile angestrebt …. dem enormen Preisdruck im internationalen Kartoffelmarkt sei Dank!

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