Spritzen - wie praktizieren es die Großbetriebe und wie machen wir es?

Wir wollen euch mal gegenüberstellen, was in einem Kartoffel-Großbetrieb abgeht und wie wir das in der Rhön handhaben: macht euch euer eigenes Bild!

Spritzen in großen Kartoffelbetrieben

Als konventioneller Landwirt darf man im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln greifen, prinzipiell wann und wie oft man will (den Beipackzettel mit zig Anwendungsbestimmungen natürlich immer im Blick).


Kartoffel-Pflanzen können behandelt werden gegen tierische Schädlingen (mit Insektiziden), gegen Unkräuter (mit Herbiziden) und gegen Pilze (mit Fungiziden). Daneben kommen im professionellen Kartoffelanbau auch Mittel zum Einsatz zur Beizung der Kartoffelknollen vor der Pflanzung, zur Keimhemmung (bessere Lagerung), zur Krautabtötung (leichtere und termingerechte Ernte) und eine Vielzahl an Mittelchen zur Wachstumsförderung.


Wie ihr seht kann man eine ganze Menge chemische Schrauben drehen, damit die Ernte perfekt wird. So ist es nichts ungewöhnliches, wenn ein normaler Kartoffelbauer 12-15 Mal im Jahr die Chemie-Keule auspackt und mit der Feldspritze die Kartoffeln behandelt. Die Wirksamkeit die Mittel ist teilweise erschreckend gut und man braucht nur 20 Minuten um einen Hektar Kartoffeln zu behandeln – schon toll, was die Pharma-Industrie alles erfunden hat …. und das ist nicht mal ironisch gemeint!

 

Spritzen bei unseren Kartoffeln

 Auf Insektizide können wir verzichten, da z.B. der Kartoffelkäfer sich in den letzten Jahren nicht mehr massenhaft vermehrt hat - auch aufgrund schrumpfender Anbauflächen in der Rhön. Wer aber mal einen Eindruck davon bekommen will, was so eine Hand voll Käfer Larven anrichten kann, der schaut sich mal die Bildergalerie an: Schon Wahnsinn wie sich eine Kartoffelpflanze von Fraß der Kartoffelkäfer-Larven wieder erholt. Leider klappt das nicht immer so ...

Auf Herbizide verzichten wir ebenfalls, da die Unkrautbekämpfung bei uns rein mechanisch geschieht. Wie – das verrät euch das Kapitel „Häufeln - Hacken - Striegeln".

Auf Fungizide verzichten wir dagegen nicht, so gibt es pro Jahr ca. 3-4 Behandlungen gegen die Krautfäule:  eine Krankheit der Kartoffel-Pflanze die sich  bei günstigen, feuchtwarmen Bedingungen epidemie-artig ausbreitet und  in wenigen Tagen das Kraut eines ganzen Feldes absterben lässt. Gleichzeitig gehen oft Lagerprobleme einher, z.B. Eindellungen an der Oberfläche bis hin zu nassfaulen Kartoffeln. Man muss diese Fungizide daher auch präventiv ausbringen, d.h. man kann leider nicht warten, bis die Krautfäule ausbricht. Dieser Krautfäule-Schutz ist aus unserer Sicht unerlässlich, um einer verlässliche Ernte einzufahren.

Übrigens: auch Bio-Landwirte spritzen gegen die Krautfäule – allerdings mit anderen Mitteln, die speziell im Bio-Anbau zugelassen sind.

 Andere chemische Hilfsmittel, so z.B. auch die beliebte Krautabtötung ca. 2 Wochen vor der Ernte kommen bei uns nicht zum Einsatz. Ein Termin zur Ernte ist bei uns also schlecht planbar, denn wann das Kraut abstirbt und die Kartoffeln damit ernte-reif sind, bestimmt die Natur jedes Jahr neu.

Auch im Lager kommt keine Chemie zum Einsatz. Wir versuchen Kartoffelsorten zu verwenden, die eine geringe Keimtätigkeit im Frühjahr haben und so lange haltbar bleiben. Und wenn an den verkauften Speisekartoffeln dann doch mal ein frischer Keim dran ist, dann ist er halt dran: die Knolle hat einfach Leben in sich ….!

Wie ihr seht, nutzen wir die Chemie nur da, wo es kaum Alternativen gibt. Unsere Kartoffeln werden umweltschonend angebaut, aber auch wir versuchen (voraus schauend) die Gefahr eine Miss-Ernte so gering wie möglich zu halten. Denn ohne eine vernünftige Ernte ist bei euch nix auf dem Teller und bei uns nix im Geldbeutel!

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